2006 gebaut, rollt das Schiff der Argentaler Wickinger in der Fasnetszeit seitdem über die Straßen und sorgt seitdem für strahlende Kinderaugen.
LANGNAU – Vor rund zwanzig Jahren wurde das Schiff der „Argentaler Wickinger“ innerhalb weniger Wochen gebaut, und noch heute zieht es auf den Umzügen der Region durch die Straßen. Dass das Schiff ein Alleinstellungsmerkmal und einen hohen Wiedererkennungswert hat, ist Philipp Spinnenhirn, Joachim Brög, Peter Dorn und Ralph Gührer bewusst. Sie haben damals den Bau des Schiffes unterstützt, forciert, angetrieben und gemeinsam mit anderen den Wickingern eine unverwechselbare Substanz gegeben.
„Das Schiff ist immer eine Anlaufstelle“, sagt Joachim Brög, der wie die anderen seit den Anfangsjahren Mitglied ist. Und der Anfang der „Wickinger“ – die sich übrigens durch die Schreibweise mit „ck“ bewusst vom Weingartner Narrenverein Wikinger abgrenzen wollten – reicht weit zurück.
Vor rund 25 Jahren berichtete die Schwäbische Zeitung über die Gründungsgeschichte und damit über eine Gruppe junger Leute, die verkleidet mit Hörnerhelm und Hopfensack ihr barbarisches Unwesen treiben und das Fasnetsgetümmel mit ihrem eigens entworfenen Schiff bereichern. Doch dem Schiff der Anfangsjahre folgte ein weiteres, das von 2001 bis 2006 im Einsatz war: Ein Drehschemelanhänger, den die „Argentaler Wickinger“ mit einfachen Mitteln in ein Schiff verwandelten.
Ein neues Modell für mehr Manövrierfähigkeit
Doch bereits 2006 waren andere Überlegungen zu einem wiederum neuen Schiff da und zu einem Modell, das sich einfacher manövrieren ließ, eine andere Raumaufteilung und eine andere Erscheinung hatte – größer und kreativer als seine Vorgänger. Ralph Gührer fertigte damals eine Zeichnung an – nicht des gesamten Schiffes, sondern allein von den knapp zehn Meter langen, gewölbten Trägern: Sie bildeten die Grundlage des neuen Schiffes.
Zudem hatte der Verein nach einer erfolgreichen Veranstaltung einen finanziellen Grundstock aufbauen können. Es gab also die Idee, finanzielle Mittel und die Zeichnung – doch die Umsetzung ließ auf sich warten. „Wir haben nach der Fasnet dann Fakten geschaffen und unser zweites Schiff mutwillig zerstört“, berichtet Philipp Spinnenhirn. Von da an galt: „Wir müssen.“
Als dann die Stahlträger geliefert waren, begann nach vielen theoretischen Ausarbeitungen die praktische Arbeit. Innerhalb eines Tages im November 2006 war das Stahlgerippe geschweißt. Unter der Woche haben sie geplant, am Wochenende am Schiff gearbeitet – mal mit Unterstützung von Firmen der Umgebung, mal mit dem eigenen Know-how. „Vieles ergab sich durchs Tun“, erzählt Gührer im Rückblick.
„Hallgrim“: Zehn Meter geballte Fasnet
Entstanden ist aus dem „einfach machen“ ein imposantes Gefährt von rund zehn Metern Länge, knapp drei Meter Breite, einer Höhe von etwa fünf Meter bei gesetztem Segel und 3,5 Tonnen Leergewicht. Es gibt Sitzgelegenheiten und einen kleinen Raum zum Aufwärmen, Möglichkeiten zum Verstauen von Getränkekisten oder auch eines Notstromaggregats. Ein Teleskoplift fungiert als Mast mit ein- und ausklappbarem Segel. Die Seiten des Schiffes sind mit steckbaren Schildern dekoriert, die einst einfache Fassdeckel waren.
2006 gebaut, war „Hallgrim“, wie das Schiff heute noch heißt, zur Fasnet 2007 einsatzbereit. Zwischen Erzählungen, Anekdoten und Erinnerungen schwingt bei Dorn, Spinnenhirn, Gührer und Brög auch Stolz mit, wenn sie von den Details des Schiffes oder den strahlenden Kinderaugen bei den Umzügen erzählen.
Auch haben die „Wickinger“ im Zuge ihres neuen Schiffes ein anderes Niveau erreicht: Aus der überschaubaren Gruppe an rebellischen Fasnetsfreunden ist ein großer Verein geworden, der rund 26 Jahre nach seiner Eintragung knapp 150 Mitglieder zählt. Der Verein wurde erwachsen, und mit seiner Größe kam die Verantwortung. Zu einem Unfall mit dem Schiff ist es in den vergangenen Jahren nicht gekommen. Der Wunsch, „dass nie etwas passiert“, wie es Dorn formuliert, liegt nahe.
Und mit einem Lächeln spricht Spinnenhirn von einem weiteren Wunsch: Dem nämlich, dass Ralph Gührer irgendwann einmal Zeichnungen für ein viertes Schiff auf den Tisch legt.


